Es war der 2. Oktober und der Tag war gekommen: der Dreiländer Sparkasse Marathon am Bodensee und damit: mein erster Halbmarathon.

Freitag Nachmittags war ich nach dem Start meines Masterstudiums schon auf dem Weg in Richtung Heimat, um gleich am Samstag in Lindau meine Startunterlagen abholen zu können.

Mit meinem Vater, der abseits von Bergsteigen und Autofahren auch sonst gerne alles unter Zeitdruck erledigt, hatte auch der Tag davor schon Renn-Atmosphäre: Rein in die Halle und Startunterlagen holen in unter 5 Minuten. Chip war nicht notwendig, der war hinten auf der Startnummer drauf.

Wer die Lindauer Insel noch nie sehen durfte, darf sich hier an ein paar Eindrücken erfreuen, die mein HTC auf der Erkundungstour der Startgegend festhielt:

Ich wollte nichts dem Zufall überlassen und folgte meinem Plan für einen perfekten Start: Thai-Abendessen in Bregenz mit der Familie; genug Schlaf; perfektes Lauf-Frühstück zur richtigen Zeit; kein Stress; früh genug in Lindau ankommen; einen letzten Kaffee trinken; zum Startblock 5 gehen.

Plötzlich wurde alles ländlich: “Country Roads” als Aufwärmmusik, und ein Moderator, der uns versicherte, dass Radio Vorarlberg live berichten wird. Auch das alles konnte meine gute Laune nicht mehr stoppen.

START! Mein Garmin hielt folgende Strecke fest:

Lindauer Bahnhof – Lochau – Bregenzer Hafen – Spiel am See (zwischen Tribüne und See, direkt an der Kulisse vorbei!) – Yachtclub – über die Bregenzer Ach – Hard – Bregenzer Stadion

Ich wurde regionalpatriotisch: es gibt keine Grenzen, hier bei den Alemannen. Wir sprechen alle dieselbe Sprache und leben alle in der schönsten Region dieser Welt: Bodenseeregion für immer, ich liebe dich. Deinen Nebel, deine Natur, deine Flüsse, deine Sprache, deine Menschen, deine Berge, deine Schönheit, deine Grenzenlosigkeit.

Über die Bregenzerache laufend schwenkte mein Kopf in Richtung Land, wo der Fluss im Sonnenlicht glitzerte: WOW, war mein erster Gedanke. Ja, kitschig, ist aber auch ab und zu ok.

Bei all der Heimatliebe vergingen die ersten 10 Kilometer wie im Flug: das Feld zu Beginn lief etwa 10km/h, was genau mein Ziel-Pace für die ersten 15 Kilometer waren. Und es war einfach so ein tolles Gefühl:

Dann kam irgendwann Kilometer 16. Ich warf alle Traubenzuckertabletten ein, die ich noch bei mirhatte und bediente mich an einem Stück Banane an der Verpflegungsstation.
Und trotzdem: es war so zach. Kein ein Baum mehr in Sicht, wolkenloser Himmel und gefühlte 27 Grad. Ja, der Nebel war weg, die Sonne war da.

Mein linker Oberschenkel überfiel mich mit einem stechenden Schmerz, und auch mein linker und rechter Knöchel wurden abwechslungsweise plötzlich gefühlte 80 Jahre alt. Ich wusste, dass ich es auf Grund des Vorsprungs aus den ersten 15 Kilometern immer noch auf eine 10km/h Zeit schaffen könnte. Es war niemals mein Ziel gewesen, immerhin hatte ich keinen Trainingslauf über 14km mit 10 km/h durchziehen können. Trotzdem war es plötzlich möglich, und so nah. Aber ich konnte wirklich nicht mehr.

Übelkeit. “Erschieß mich bitte”. Nahe am Tränenausbruch.

Kurz vor dem Eingang zum Stadion sah ich meinen Vater wieder neben der Strecke stehen, mir zurufend. Es reichte ein High-Five von meinem größten Fan.

Fuck, jetzt WOLLTE ich, aber richtig.

Und so kam ich zu meiner Traumzeit von 02:06:05.

Empfehlungen für einen guten Sonntag: einen Halbmarathon laufen und alles andere für kurze Zeit vergessen.

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Lauf-Details für die Fanatiker unter meinen Lesern:
Playlist: HIER
Spielzeug/Accessoires: Mizuno Schuhe, Garmin 210, iPod und Nike+ Armband, Traubenzucker, Schweißarmband mit Fach für ein paar Euro, Sonnenbrille und Käppi (Ja, ich laufe ziemlich basic und vertraue auf die Wasserstationen, aber so ist es ja viel feiner. No fuss.)
Durchschnittlicher Pace: 6:00/km
Maximum Pace: 4:12/km

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