[Anmerkung: Danke an unseren Bundesgeschäftsführer extraordinare Raimund (Memo) Streitenberger, welcher seinen komplett freiwilligen Besuch einer ÖH BV-Sitzung in folgendem Gast-Beitrag für den Blog festgehalten hat.]
Chronik eines Tages in der ÖH-Bundesvertretung – als unschuldiger Beobachter.
Da ich momentan in Edinburgh studiere, bekomme ich nur durch die Erzählungen von Niki, Claudia oder Robert mit was denn so in der ÖH-BV so passiert. Und ja, schon aus diesen Erzählungen hat sich mein Bild bestätigt. Dies nahm aber noch andere Dimensionen an, als ich (tatsächlich aus Lust und Laune) mit nach Graz gefahren bin, um
mir das Geschehen mal live anzusehen.
Aber alles der Reihe nach. Claudia und Robert hatten diesmal keine Zeit um an der BV teilzunehmen, weswegen die JuLis-Delegation aus Elias und Niki aus Wien, sowie Paddy aus Innsbruck bestand. Meine Wenigkeit durfte auch in der Fraktion Platz nehmen, gleich neben Oskar Polak vom RFS – welch ein Vergnügen! Nachdem ausreichend Mandatare eingetroffen sind, konnte die Beschlussfähigkeit festgestellt werden und die Debatte losgehen. Man könnte als Außenstehender annehmen, dass es in der ÖH um die österreichischen Unis geht, um Probleme und Anliegen der Studenten sowie, dass die unterschiedlichen Fraktionen trotz diversen Meinungen an einem Strang ziehen und im Interesse aller Studenten handeln. HAHAHA! Was für ein Trugschluss – „Willkommen in der Realität“ dachte ich mir schon noch kurzer Zeit als Zuhörer der Debatte.

Niki und Elias am Tisch des JuLis-Clubs
Wie läuft das ganze ab? Also, da gibt es die Aktionsgemeinschaft (AG), die es als deren Aufgabe sieht gegen die bösen Linken zu poltern und auch nicht davor zurückschreckt persönlich zu werden. Diskussionskultur: Null. Der Faust (VSSTÖ) hingegen schreibt sich die sozialistische Ideologie auf die Fahnen und meint offensichtlich, dass auch
die ÖH ideologisiert gehört. Und ja, die mögen die Leute von der AG nicht, was sich von selbst versteht, uns aber schon, weil wir so konstruktive Oppositionsarbeit machen. Danke dafür!
Dann gibt es noch die grüne GRAS, deren Mandatare eher stumm dasitzen und mit dem VSSTÖ mitstimmen. Man braucht ja schließlich klare Mehrheiten. Ahja, da gibt es noch die sogenannte „Familie FLÖ“, also die Fachschaftslisten. Sie sind die Kontrolleure der ÖH und machen sich besonders durch tierische Zwischenrufe wie „MÄÄÄHHHH“ bemerkbar. Die Mitglieder der Fest, der
Fraktion der Fachhochschulen stimmen mit dem VSSTÖ und die feinen Herren von der theresianischen Militärakademie komplettiert die illustre Runde.
Was waren diesmal zentrale Themen der Debatte?
1) Die ÖH ist gegen die Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung. Ja, die Welt interessiert sich sicherlich dafür und deswegen wurde auch stundenlang diskutiert, bis man zu dieser Conclusio kam. Die schwarze AG hackte auf dem Erbe (Schuldenberg)Bruno Kreisky’s herum, was durch die fundierte ökonomische Argumentation (Schulden machen ist gut) vom VSSTÖ gekontert wurde. Ich dachte wirklich, ich sei im falschen Film….
2) Die ÖH ist gegen den WKR-Ball. Als es zu diesem Thema kam, entflammte abermals eine hitzige Debatte, bei welcher vor allem die grünen Kollegen emotional wurden. So tat so mancher Mandatar seine Meinung kund und Oskar Polack erwiderte die Kommentare mit einer Einladung zum WKR-Ball. Eine tatsächlich lustige Vorstellung. Naja, es kam nach einer einstündigen Debatte zur Abstimmung und man stellte fest, dass man gegen den WKR-Ball ist.
3) S T U D I E N G E B Ü H R E N!!!!!! Ein Uni-Thema! Und noch dazu ein so wichtiges – ich war fast begeistert. Als „so konstruktive Oppositions-Fraktion“ haben wir natürlich auch einen sinnvollen Vorschlag gemacht, in der Hoffnung, dass die Vernunft siegt und ein Kompromiss gefunden werden kann. Wie ja die meisten wissen, treten wir JuLis für ein Modell nachgelagerter Studiengebühren ein, wohingegen die anderen ÖH-Fraktionen strikt dagegen sind. So stellten wir also einen Antrag der zum Inhalt hatte, dass die ÖH grundsätzlich gegen Studiengebühren ist, sollten sie jedoch kommen (wonach es ja momentan aussieht) dann bitte in nachgelagerter Form. So konstruktiv wir sein wollen, so destruktiv sind die anderen. Das Vorsitzteam stellte einen Gegenantrag der festschrieb, dass die ÖH gegen jegliche Form von Studiengebühren ist. Nun liebe Studenten: das ist unsere Verhandlungsposition.
Gegen 22 Uhr war das Spektakel dann endlich vorüber. Vorhang zu, Lichter aus.
Fazit: Ich war wirklich enttäuscht welche Diskussionskultur in diesem Saal herrschte und mit welcher Aggressivität man gegen einander wetterte, ganz abgesehen davon, dass die Qualität der Redebeiträge von vielen Mandataren sehr zu wünschen übrig lies. Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, bin ich sehr froh, dass wir nun in der ÖH vertreten sind und vielleicht doch eine ansprechendere Kultur etablieren können.


















