In einer weiteren Folge aus “was sollen Politiker tun können?”, diesmal auch in ernsthafterer Ausführung. Ich sitze hier an einem Samstag Nachmittag – den ich mir während der Wahlkampf-Zeit vom Chef freigeben ließ – und lerne für die letzte Prüfung meines Masterstudiums. CEMS-Studenten müssten in der zweiten Fremdsprache mindestens das B2-Niveau nachweisen können, meine mündlichen Französisch-Kenntnisse werden Montag Mittag auf eben dieses Level geprüft. Ich selbst hatte trotz meiner Affinität für Englische Sprachkultur (und deren Ausformungen in der amerikanischen Popkultur) immer eher ein gespaltenes Verhältnis zur Französischen Sprache und brauchte zumindest zwei Auslandssemester in Bordeaux und Brüssel bis mir “der Knopf aufging”, so zu sagen. Auch hier war Französisches Kino kein unwichtiger Faktor im Lernerfolg.
Wozu mache ich mir noch die Mühe mein Französisch auf einem akzeptablen Niveau zu halten, wenn ich es eigentlich nur so selten anwenden kann? Es wirkt doch manchmal wie ein Sport aus einer vergangenen Zeit, bei dem man Fremdsprachenkenntnisse sammeln konnte um dadurch Zugang zu unterschiedlichen Ländern, Kulturen oder Gesellschaftsschichten zu gewinnen.

Beim Prokrastinations-Googlen bin ich dann heute auf folgende Debatte aus der Zeit gestoßen: Französisch statt Latein. Der Artikel ist wohl schon ein wenig älter, wenn noch von Schröder, Fischer, Scharping und Schily gesprochen wird, aber immernoch gültig: Internationalisierung darf nicht bedeuten, dass wir uns mit mäßig gutem Englisch alleine zufrieden geben, sondern heißt, dass Fremdsprachen-Kenntnisse umso wichtiger geworden sind.

Das oft in der Gender-Debatte hervorgehobene Argument “Sprache schafft Realität”, ist für mich in dieser Thematik stichhaltiger, vor allem wenn man es auf die Politik umlegt. In einer Europäischen Union, wo EU-Parlamentarier, Kommissions-Politiker und auch jene der Nationalstaaten, die Politik anderer Nationen mitbestimmen, reicht die Gewohnheit des Übersetzens schlichtweg nicht aus. Um effektiv zu kommunizieren braucht es Fremdsprachenkenntnisse. Es verwundert mich immer wieder, wie das EU-Parlament versucht “Debatten” zu führen, in denen die jeweiligen Vertreter in ihrer Muttersprache Redebeiträge runterrattern, und der nächste Redner dann ohne auf den vorherigen Beitrag einzugehen, seinen Standpunkt in wieder einer anderen Sprache wiedergibt.
Das soll nun gar keine Kritik an der sprachlichen Vielfalt des Parlaments sein, sondern eher ein Denkanstoss, ob eine lebendige (oder überhaupt eine) Diskussionskultur nicht eigentlich nur dann bestehen kann, wenn man mit seinem Gegenüber in derselben Sprache debattiert und fähig ist, sofort auf dessen Argumente einzugehen. Sprache hat schließlich auch Nuancen und kann in der Übersetzung zu oft recht dramatischen Interferenzfehlern führen.
Ein Gegenargument für die Anwendung von Fremdsprachen in der europäischen Politik ist dann natürlich, dass Muttersprachler einen Startvorteil haben, und man andere Sprachen ja diskriminiert, würde man eine oder zwei als Parlamentssprache festlegen.

Ganz unabghängig von der Problematik in den Europäischen Institutionen, steht für mich auch außer Frage, dass Politiker heutzutage zumindest eine Fremdsprache sehr gut bis perfekt beherrschen sollten. Nicht nur, um sich auf dem internationalen Parkett nicht zu blamieren, wie es vor allem österreichische Vertreter immer wieder schaffen, sondern auch, da es sonst jegliches Engagement in der internationalen Politik meines Empfindens nach ad absurdum führt: Warum sollten wir uns denn überhaupt um Fragen mit internationalem Bezug und globalem Konzext kümmern, wenn wir nicht bereit sind über den Tellerand unserer eigenen Sprache zu schauen und zumindest durch brauchbares Englisch dem Gegenüber genügend Respekt zollen um mit ihm sinnvoll und, noch viel wichtiger, nicht bloß einseitig zu kommunizieren.

Aber wie auch immer, ich sollte was lernen. À bientôt!

Die JuLis treten bei den ÖH-Wahlen quer durch Österreich an fast an allen Universitäten an, in der Steiermark an folgenden: der KFU, der TU Graz, der Meduni Graz und der Montanuni in Leoben. Unser operatives Führungsteam bestehend aus Niki, Duxi und mir war gestern im Zuge unserer ÖH-Tour aushelfen beim JuLis-Stand vor dem Resowi in Graz.

Start war 8 Uhr in Wien, der Chef nahm’s gemütlich.

Nach dem Mäci-Frühstück und dem immer verzweifelten Parkplatz-Suchen rund um die KF waren wir schon beim JuLis-Stand und dem dortigen Chef-Philosophen Lukas Lerchner.

Irgendwann gegen Mittag langte dann folgende OTS auch am JuLis-Stand ein: FLUG kündigt Koalition mit der AG an der Uni Graz weil letztere beim fladern der Plakatständer ersterer erwischt wurden. Passend dazu verteilten die JuLis ihre Sackerl gegen die ÖH-Zwangsmitgliedschaft.

Hier wird übrigens der KF-Spitzenkandidat Hannes Jöbstl geknuddelt.

Nach der Arbeit “on the ground” ging es dann in der neuen und unfertigen Wohnung des Philosophen weiter mit dem üblichen organisatorischen Wahnsinn.

Währenddessen ging dann folgender Artikel online: Schwere Vorwürfe gegen AG. Die Vorwürfe sind unseren Mandataren in der Universitätsvertretung der ÖH WU schon länger bekannt und sind u.a. auch unsere Motivation mit den anderen Oppositionsfraktionen bei dieser Wahl an der WU dafür zu kämpfen, dass die absolute Mehrheit der Aktionsgemeinschaft endlich gebrochen wird. Wählt von 14.-16. Mai eine Neue ÖH WU.

Als vor gut 1 1/2 Wochen acht Dreickecks-Plakatständer der JuLis vom Gelände der WU entwendet wurden, war die JuLis-Ecke im Büro zwar recht angefressen, jedoch mit einer Prise desillusionierter Akzeptanz. Das tun manche Menschen während einem ÖH-Wahlkampf. Oft auch organisiert, denn für 24 Plakatflächen braucht man zumindest zwei Leute und ein großes Auto, wo die auch Platz haben. Ist halt so. Die sind wahrscheinlich schon am Weg nach Irgendwo in einem Mülltransporter.

Dann kam der 16. April und der Anruf der alles veränderte. Ein älterer Herr ist am Telefon. “Könnte es sein, dass sie ein paar Plakatständer vermissen? Hier liegen nämlich ein paar. Am Leopoldsberg, bei der letzten Bus-Station in der Kehre die Böschung runter.”

Die erste Reaktion ist meistens Freude, dass die 8 x 25€ an Plakatflächen wieder da sind.

Die zweite Reaktion ist dann “WTF, Oida?????”

Und so kam unser netter Sonntagsausflug zusammen. Niki, Linus und Claudia treffen sich Sonntag um 13 Uhr, ganz aufgeregt!

“Oida wie lange geht das, das kann ja nicht wirklich erst ganz oben sein.”

“Ja park ma mal. Hier ist die Kehre!”

“W.T.F. W. T. F. W…. T…. F….”

“Mhh. Ja fang ma mal an.”

Geschafft! 24 Plakatflächen hoch gehievt und im Auto verstaut.

Abschließend kann ich nur Folgendes sagen: es kann in keiner Ideologie ok sein, das Eigentum anderer mutwillig zu zerstören/zu stehlen/es am Leopoldsberg zu entsorgen. Sei es für den eigenen (Wahlkampf-)Vorteil, sei es aus Lust und Laune oder sei es weil man die Weltanschauung des anderen als die “Falsche” hält. Es ist nicht nur einfach keine Art, ich bezeichne diese Einstellung sogar als eine der größten Gefahren für ein friedliches Miteinander. Wenn schon die Grundvoraussetzung, dass ich mein Gegenüber, dessen Eigentum oder auch sein Recht auf Teilnahme am politischen Wettbewerb nicht respektiere, offensichtlich fehlt, kann ich mir nur Sorgen über den Zustand unserer Bürgergesellschaft und unserer Demokratie machen.

Wir JuLis werden weiterhin unsere zerstörten Plakatflächen wieder aufbauen, zerissene Plakate neu bekleistern und am Leopoldsberg entsorgte Dreiecksständer wieder zurück an ihren ursprünglichen Stellplatz bringen. Wir werden jedoch niemals die Ideen anderer Fraktionen oder deren Recht darauf im demokratischen System der ÖH teilzunehmen, in solch einer Art und Weise in den Dreck ziehen. Demokratie, egal auch welcher Ebene sie stattfindet, braucht Vielfalt und Respekt. Sonst hat sie keine Zukunft.

Dieses Zitat von Gloria Steinem ist eine Abwandlung aus Johannes 8:32 und könnte passender nicht sein, wenn wir auf das derzeit laufende Volksbegehren Gegen Kirchen-Privilegien schauen.

Die JuLis werden zur Zeit recht oft dafür kritisiert, dass wir das Volksbegehren schon seit Anfang an unterstützen und ich es sogar mit-initiiert habe. Es würde ja für falsche Daten und Fakten stehen und sei polemisch formuliert. Überraschung, die Liberalen sind Laizisten. Wir stehen mit Überzeugung für die Demokratie ein, gegen Frauenfeindlichkeit und Homophobie und gegen den “Staat im Staat”, den die Kirche in Österreich so oft darstellt. Das Volksbegehren vertritt keine falschen Fakten, sondern kann sich allerhöchstens vorwerfen lassen, dass hunderte Steuer-Sonderregelungen zur Vereinfachung zusammengefasst wurden um schlichtweg ganz klar darzulegen, wie weitläufig die Unterstützung des Staats für diese Institution ist.

Viele der Initiatoren und Unterstützer sind Atheisten, dies ändert jedoch nichts an der Bedeutung dieser Debatte. Genauso wird die grundlegende Frage nach der Rolle der Kirche in Gesellschaft und Politik weniger wichtig, nur weil sich manche religiöse Institutionen sozial engagieren. Dass die Organisatoren PR- und Marketing-Profis sind und es geschafft haben, das Volksbegehren in die Medien zu bringen, macht uns nicht weniger zu Davids gegen den Goliath der anerkannten Religionsgemeinschaften. Dass man nicht mit allen Forderungen 100% übereinstimmt, ändert nichts daran, dass man das Volksbegehren alleine nur deshalb unterschreiben muss um überhaupt ein paar dieser Forderungen irgendwann im Parlament behandelt zu sehen.

Es wird sich sonst schlichtweg nie etwas ändern.

Ich werde nun nochmal die Problematik im Bildungsbereich unterstreichen, da es in meinen Themenbereich fällt und auch einen der Bereiche darstellt, wo die Besserstellung annerkannter Religionsgemeinschaften (ganz besonders der katholischen Kirche) in keinster Weise mehr gerechtfertigt ist.

Beispiel konfessionelle Privatschulen: Konfessionelle Privatschulen kriegen sofort Öffentlichkeitsrecht. Warum? Die Debatte ist notwendig, weil nicht-konfessionelle Privatschulen ohne diesen Hinweis sicher nie gleichgestellt werden.
Beispiel Religionsunterricht: Warum zahlen wir einen konfessionellen Unterricht dessen Inhalte nicht vom Staat vorgegeben werden? Warum können das die anerkannten Religionsgemeinschaften nicht selbst organisieren damit im Lehrplan endlich Platz geschaffen werden kann für einen richtigen und echten, verpflichtenden Ethik-Unterricht?
Beispiel Vermerk des Religionsbekentnisses auf Schul-Zeugnissen: “von Amts wegen”. Seriously? Weg damit!
Beispiel Pädagogische Hochschulen und das Pflichtfach Religionspädagogik

Unter den üblichen Antworten der Kirchen-Vertreter findet sich oft “ja, da gibts Diskriminierung von Privatschulen, das müssen wir ändern”. Wann soll das denn passieren? Sicher nicht auf deren Ansuchen hin, der Kirche kann es schließlich freilich wurscht sein was mit anderen Privatschulen passiert.

Um eine gute Zusammenfassung aller Forderungen zu kriegen und einen Beweis dafür, wie arrogant Kirchen-Vertreter und konservatie Politiker in dieser Frage sein können, empfehle ich die Aufzeichnung der Pro & Contra Debatte dazu.

Manche von links mögen mich für neoliberal und oberflächlich halten, andere glauben aus der CV-Ecke glauben, dass ich die linke Kirchen-feindliche Ausgeburt des Bösen bin. Ma wurscht. Man muss zu seinen Überzeugung stehen, genauso wie man sich nicht verstellen sollte nur um einer Mehrheit zu gefallen. So für mich im Falle des Volksbegehrens. Es muss sich etwas ändern. Also geht unterschreiben.

WANN&WO KANN ICH UNTERSCHREIBEN?